Böhner

027.7 Zeitschrift für Bibliothekskultur 1,2 (2013): Die Farbe des Katalogs, S. 47-57.

DOI: 10.12685/027.7-1-2-26

ISSN: 2296-0597

Verbessern Discovery Systeme die Informationskompetenz?

Dörte Böhner

Abstract

Mit dem Auftauchen von Discovery Systemen entstand die Hoffnung, dass der Schulungsbedarf und damit der Aufwand für die Vermittlung von Informationskompetenz verringert und durch die Systeme selbst die Informationskompetenz verbessert werden kann. Dieser Beitrag beleuchtet kritisch das Zusammenspiel von Discovery Systemen und Informationskompetenz anhand von Recherchegewohnheiten eher untrainierter Studierender. Anhand einer kurzen Gegenüberstellung der unterschiedlichen Recherchekonzepte von Suchmaschinen und bibliothekarischen Rechercheangeboten werden Rückschlüsse auf die zu fördernden Schwerpunkte bei der Informationskompetenz gezogen und untersucht, welche Schlüsselrolle Discovery Systeme dabei spielen.

The dissemination of discovery systems has raised hopes that the need for extensive teaching of information literacy might be reduced in the future. Also, their intuitive approach has been hopefully seen to enable the development of a better information literacy. This article critically focusses on the interaction of discovery systems and information literacy by analysing research behaviours of comparatively untrained students. In order to define which specific themes should be promoted by information literacy education, the author examines various research concepts of search engines as well as research offers of libraries. On this basis the key role of discovery systems will be explored.

1. Einleitung

In Deutschland konnte man in den letzten Jahren zunehmend die Einführung von Discovery Systemen (DS) beobachten. Die Intention dahinter ist, den Studierenden mit einem „Google-like“-System einen einfachen Sucheinstieg auch zu lizenzierten elektronischen Bibliotheksangeboten zu liefern. Diese Literatursuchmaschinen sollen dazu führen, dass die Nutzer einfacher an die Informationsangebote der Bibliothek gelangen und sie besser nutzen. Inwieweit können nun DS von Bibliotheken eingesetzt werden, um die Fähigkeiten der Informationskompetenz (IK) zu stärken? Der Artikel möchte nicht die einzelnen Standards der IK (NIK-BW 2006) aufgreifen und anhand derer die möglichen Veränderungen der IK-Schulungen darstellen. Dies hat Rauchmann (2013) in ihrer Ausarbeitung „They are only Tools“ bereits getan. Ziel ist es vielmehr herauszuarbeiten, an welcher Stelle die DS das Rechercheverhalten der eher untrainierten Studierenden besser unterstützen und welche Rückschlüsse sich daraus für die IK-Schulungen ziehen lassen.

2. Informationskompetenzschulungen gehen an den Bedürfnissen vorbei

Bibliotheken definieren Informationskompetenz als eine Schlüsselqualifikation, die ihre Nutzer [1] im Rahmen einer Gesellschaft, in der es um ein lebenslanges Lernen geht, als entscheidenden Faktor für den Erfolg in Studium, Forschung und Beruf benötigen. [2] Alan Bundy definiert IK dabei als ein „Mosaik aus Einstellungen, Verhaltensweisen, Fähigkeiten und Wissen“ (Bundy 2005: 10), das heisst dass das, was unter IK verstanden wird, aus verschiedensten Aspekten zusammengesetzt ist.

Bibliothekare sollen mit ihren Schulungen die Fähigkeit, Informationen zu recherchieren, zu selektieren, zu bewerten und zu verarbeiten, stärken und ihre Nutzer dabei für rechtliche und ethische Implikationen sensibilisieren. „Die Strategie der Informationssuche und -nutzung stimmen sie auf den Bedarf des Einzelnen ab und versetzen ihn in die Lage, Informationen und Informationsumgebungen (inter-)aktiv nutzen zu können.“ (BID 2011:8–9) „Students do not know what resources we have, have little interest in learning about alternative titles, do not search resources effectively, feel overwhelmed by the amount of information available, lack the time or inclination to learn more, and assume we do not have titles and formats that we have collected for ages.“ (Tallent 2004:73) Dem begegnen Bibliotheken mit Schulungen, die die IK der Nutzer stärken sollen. Die Förderung der dafür notwendigen Fähigkeiten passiert in der Realität jedoch zu oft im „luftleeren“ Raum, das heisst wissenschaftliche Bibliotheken erreichen ihre Nutzer, grösstenteils Studierende, häufig zu einem Zeitpunkt, wenn diese noch keine Probleme im Umgang mit Informationen erkennen, die es für sie im Rahmen ihres Studiums oder ihrer wissenschaftlichen Arbeit zu lösen gilt. An dieser Stelle bringen sie kaum Aufmerksamkeit und Verständnis dafür auf, Methoden für die Recherche zu erlernen. Und nicht immer lässt sich bei ihnen in den Schulungen das Gefühl vermeiden, dass sie im Grunde nichts wissen und nichts können. Kommen dann noch Einschränkungen im Zugang zum Recherchemittel und eine Notwendigkeit, sich intensiver mit Recherchestrategien auseinander zu setzen, hinzu, verringert sich die Bereitschaft, ein Bibliotheksangebot zu nutzen, erheblich.

Google hingegen ist wie Luther (vgl. 2003:36) zurecht feststellt, von überall aus erreichbar, wo es einen Internetzugang gibt. Neben der Verfügbarkeit zu jeder Zeit, ist Google auf den ersten Blick auch sehr einfach zu benutzen: Suchbox aufrufen, Suchbegriffe eintippen und auf Suchen klicken. Schon ist die Arbeit, etwas zu finden, erledigt. Die Suchmaschine, die inzwischen synonym für das Suchen steht, hat sich diese Einfachheit zum „Credo“ gemacht, dem inzwischen Datenbankanbieter und auch Bibliotheken bewusst nacheifern. Beruhend auf einem mathematischen Algorithmus, auf dem auch das Relevanzranking beruht, liefert Google Antworten, die gut genug sind.

Die Studierenden sammeln aufgrund der einfachen Verfügbarkeit von Suchmaschinen ihre ersten Rechercheerfahrungen in der Regel im Internet. Der so geprägte Nutzer „amazooglet“ (vgl. Dempsey 2005, 2006) und nutzt dabei eine einfach zu bedienende, zentrale Recherchemöglichkeit, die einen direkten Zugang zu den Suchergebnissen bietet. Und auch den weitergehenden Erwartungen der Nutzer, direkt zum Text zu gelangen, tragen Google und Amazon Rechnung. „They (Google und Amazon, Anm. d. Verf.) are interested in fulfilment, in ensuring that users leave with what they want. This means that they integrate services for location, request and deliver into the original discover experience.“ (Dempsey 2006)

Die Recherchierenden behandeln jede Suchbox, als ob es die von Google wäre, vertrauen dem Relevanzranking und haben Defizite, die Suchergebnisse hinsichtlich Relevanz und Qualität zu bewerten (vgl. Asher et al. 2012; Project Information Literacy (PIL) 2008-2013; Tallent 2004). Sie möchten möglichst einen sofortigen Zugang zu den gefundenen Informationen, bestenfalls im (digitalen) Volltext und passend zu ihrer gestellten Anfrage. Und mit diesen Erwartungen treten die Nutzer nun auch an die Bibliothek heran und setzen voraus, dass in den dort angebotenen Katalogen und Datenbanken die Recherche genauso funktioniert.

Mit der von Google und Amazon gewöhnten Einfachheit der Recherche kommen sie jedoch in den von Bibliotheken zur Verfügung gestellten Suchwerkzeugen oft nicht weiter, da hier ganz andere Regeln gelten. „Es war bisher für Nutzende wichtig zu wissen, welcher Unterschied zwischen einer selbständigen Veröffentlichung, also einem Buch oder einer Zeitschrift, und einer bibliographisch unselbständigen Veröffentlichung, also zum Beispiel einem Zeitschriftenaufsatz, besteht. Je nachdem, wonach er suchte, musste der Endnutzer eine andere Datenbank auswählen: für die Recherche nach einem Buch zum Beispiel den Bibliothekskatalog, der in der Regel keine Aufsätze enthält, für die Recherche nach einem Aufsatz eine fachspezifische Aufsatz-Datenbank.“ (Hapke 2007:139) Damit sind Bibliotheksnutzer jedoch oft heillos überfordert, da sie den Unterschied zwischen Katalog, Datenbanken, digitalisierten Sammlungen und frei zugänglichen wissenschaftlichen Inhalten nicht verstehen (vgl. Calhoun 2006:35).

Bisher waren die Nutzer zudem gezwungen, auch ihre Arbeitsweise an die Möglichkeiten anzupassen, die ihnen die Bibliothek und ihre Recherchewerkzeuge boten. Heute jedoch, wo Bibliotheken ihre Monopolstellung als die Institutionen für den Informationszugang verloren haben (vgl. Steenweg 2000:366), sind Nutzer weniger denn je bereit, unkomfortable Recherchemittel zu akzeptieren oder einen hohen Aufwand zu betreiben, um eigentlich rein technischen Erfordernissen, zum Beispiel der mathematisch ausgerichteten Konstruktion einer Suchanfrage, gerecht zu werden. Die Bibliotheken, selbst herausgefordert durch den massiven Medienwandel von gedruckten zu digitalen Ressourcen, müssen ihre hochwertigen gedruckten Sammlungen in einer für die Nutzer komfortableren Art und Weise anbieten (vgl. Luther/ Kelly 2011:66), wollen sie mit Suchmaschinen und Buchhandelsangeboten mithalten können.

3. Bibliotheken reagieren technisch auf die Bedürfnisse von Recherchierenden

Seit jeher mussten Nutzer mit verteilten Bibliotheksressourcen wie Büchern oder Zeitschriften in unterschiedlichen Sammlungen und an verschiedenen Orten arbeiten. Einhergehend mit der Digitalisierung und den zunehmend in elektronischer Form abonnierten Inhalten gibt es heute eine unüberschaubare Anzahl an zum Teil kommerziellen Recherchewerkzeugen. Ein früher Versuch, diese verteilten Sammlungen zusammenzuführen, ist bibliothekshistorisch sicherlich in der Schaffung von Gesamt- und Verbundkatalogen zu sehen (mehr dazu beispielsweise bei Oberschelp 1978; Niewalda 1978; Hagenau 1988). Ein anderer Schritt war die Entwicklung von Metasuchen.

Mit der Metasuche versuchte man der starken Verteilung der Ressourcen entgegen zu wirken und einen auf den jeweiligen Nutzer zugeschnittenen bedarfsorientierten Recherchezugang zu bieten (Dempsey 2006). Metasuchen und Föderierte Suchsysteme bringen jedoch die Schwierigkeit mit sich, dass die Studierenden, wie beispielsweise im Karlsruher Virtuellen Katalog, in den Virtuellen Fachbibliotheken oder in den Angeboten der DigiBib des Hochschulbibliothekszentrums des Landes Nordrhein-Westfalen (hbz), verschiedenste Kataloge und Datenbanken zusammenschalten müssen. In der Regel besitzen sie kein Vorwissen über die hinzuzufügenden Ressourcen, so dass eine bewusste Auswahl der richtigen Quellen gar nicht stattfinden kann. Sie können häufig auch später nicht einschätzen, ob die ausgewählten Recherchequellen die für ihre Suchanfrage relevanten Informationen enthalten oder nicht (vgl. Christensen 2011). Schulungen zu den entsprechenden Instrumenten erweisen sich aus Sicht der Nutzer oft als wenig gewinnbringend, besonders wenn diese nicht zum richtigen Zeitpunkt im Studium angeboten werden.

Ausserdem, in je mehr Quellen recherchiert werden muss, desto langsamer wird die Suche, da die verschiedenen Indizes parallel abgefragt werden müssen. Ein weiteres Problem ist die steigende Anzahl dubletter Treffer. Nachteilig ist auch, dass nicht alle Datenquellen mit den gleichen Austauschformaten bei den Metadaten arbeiten und je nach zugrunde liegendem System bestimmte Felder nicht gezielt durchsuchbar sind. Eine Metasuche kann nur über die Felder ausgeführt werden, die alle gewählten Ressourcen gemeinsam haben, das heisst, es ist eine Suche mit dem kleinsten gemeinsamen Nenner. Eine exakte Suche ist daher oft nicht umsetzbar, besonders dann nicht, wenn nachträglich, zum Beispiel über Facetten, keine weitere Einschränkung der Suchergebnisse möglich ist.

4. Discovery Systeme greifen das Vorwissen der Recherchierenden auf

Discovery Systeme hingegen ermöglichen es erstmals, die verteilten Ressourcen der Bibliothek, eigene und auch fremde, an einer Stelle zusammenzuführen, in einem umfassenden zentralen Suchmaschinenindex zu erschliessen und für den Nutzer zu gleichen Bedingungen recherchierbar zu machen. Die Daten stellt das System dann als „One-Stop-Shop“ zur Verfügung (Jansen et al. 2010:6).

Discovery Tools bieten den Nutzern die Möglichkeit, den Bibliothekskatalog und Artikeldatenbanken mit einer Suchbox zu durchsuchen (vgl. Fagan 2011:171). Der Nutzer kann seine benötigten Informationen an einer Stelle finden und in vielen Fällen aus der Ergebnisliste heraus direkt auf das Dokument in der jeweiligen Ressource zugreifen. So vereinfacht dieses Suchwerkzeug den zu betreibenden Aufwand bei der Recherche und der Informationsbeschaffung. Weitere Vorteile des Einsatzes von Suchmaschinentechnologien sind eine einheitliche Trefferliste, schnelle Antwortzeiten, ein Relevanz-Ranking und die Facettierung der Suchergebnisse (vgl. Jansen et al. 2010:5). Die Studierenden als Zielgruppe der IK-Schulungen kommen aus einer Google-Welt und dort haben sie unter anderem gelernt, dass die besten Ergebnisse durch das Relevanzranking zuerst angezeigt werden (Tallent 2004:71).

Eine wichtige Bedingung erfüllen die DS: Breeding (2010:34) fordert, dass ein gutes Discovery Interface möglichst selbsterklärend arbeiten sollte, damit sich die Nutzer auf die Auswahl und Evaluation der gefundenen Literatur konzentrieren können, anstatt Probleme lösen zu müssen, die das bibliothekarische Suchwerkzeug verursacht. Allein ein einfaches Interface zu designen ist jedoch nicht die Antwort auf das Wegbleiben der Nutzer. Sie gehen bei ihrer Recherche den Weg des geringsten Aufwands und nutzen einfach zu findende Informationen auch dann, wenn sie wissen, dass diese von schlechter Qualität und wenig vertrauenswürdig sind. Sie verzichten sogar auf die Verwendung von bekannten Recherchewerkzeugen für hochqualitative und vertrauenswürdige Informationen, wenn diese schwieriger zu bedienen sind (vgl. Bates 2003:4). Datenbanken selbst werden von Studierenden häufig nicht zum Recherchieren genutzt, sondern allein als ein Mittel des Zugangs zum Volltext angesehen (vgl. Cardwell et al. 2012:345; Head/Eisenberg 2009:28). Und Fawley/Krysak (2012:208) stellen fest, dass die Arbeit mit Discovery Tools der Art, wie viele Anfänger nach Informationen suchen, entgegenkommt. Bei einer optimierten Suche ist es für die Nutzer, anders als bei früheren Suchstrategien, nicht mehr notwendig zu wissen, welche Datenbanken sie nutzen und wie sie diese entsprechend deren Suchspezifika einzeln durchsuchen können.

Aufgrund ihrer bisherigen Rechercheerfahrungen mit Suchmaschinen und Amazon stellt sich den Studierenden oft die Frage, wofür sie die IK-Schulungsangebote der Bibliotheken brauchen. Wozu benötigen Sie Recherchestrategien, wenn die Suchergebnisse, die Google ihnen als Antwort auf eine einfache Suchanfrage liefert, letztendlich ausreichen? Die gefundenen Ergebnisse werden als gut genug empfunden (vgl. Holman 2010:26) und somit werden auch ihre eigenen Recherchefähigkeiten als ausreichend bis gut eingeschätzt. Die Zufriedenheit der Nutzer mit den Ergebnissen einer Suchmaschine wie Google lässt sich unter anderem dadurch erklären, dass ein Grossteil der Treffer den erkannten Informationsbedarf sofort zielführend beantwortet. Der Sinn der Entwicklung einer Recherchestrategie erschliesst sich den Suchenden dabei nicht (vgl. Lewandowski 2012:103). DS als Alternative zu freien Suchmaschinen werden auf Dauer nur dann als ebenso positiv bewertet, wenn sie diese „Erfolgsquote“ mitbringen und zudem die besseren Quellen anbieten. Die Untersuchung von Holman (2010:21) zeigt zudem, dass Studierende, die sowohl mit Suchmaschinen, als auch mit Datenbanken arbeiteten, in beiden Suchwerkzeugen mit den gleichen Suchbegriffen und der gleichen Suchsyntax recherchieren.

Diese Systeme stellen für die Suche der Nutzer für den Beginn eine geeignete Schnittstelle von der Suchmaschine zum Bibliotheksangebot dar. Sie funktionieren in der Recherche wie Suchmaschinen und unterstützen die ungeschulten Recherchierenden auf verschiedenste Art und Weise, das heisst sie „holen (…) die Studierenden direkt bei ihrer nicht zielgerichteten Suchstrategie ab“ (Rauchmann 2013:213; Head 2013:474). Gerade Studierende zu Beginn ihres Studiums bevorzugen die Möglichkeit, an einer Stelle eine grosse Bandbreite unterschiedlicher Ressourcen durchsuchen zu können (vgl. Cardwell et al. 2012:345).

5. Wechsel der Suchparadigmen

Besonders für die schulenden Bibliothekare bedeuten DS eine Veränderung. Hapke (2013) stellt in seinen Betrachtungen zu Discovery und seinen eigenen IK-Schulungsaktivitäten fest, dass die Systeme es ihm ermöglichen, sich auf andere Kernpunkte der IK zu konzentrieren. Dies wird auch in den Studien und Beobachtungen amerikanischer Kollegen deutlich (vgl. Cardwell et al. 2012; Cmor/Li 2012; Holman 2010).

Bisher verlaufen Schulungen häufig unter der Prämisse einer analytisch-systematischen Vorgehensweise: Problem erkennen, Strategie entwickeln, schrittweise anwenden. In vielen Fällen konzentriert man sich dabei auf das Suchmittel und seine Funktionen, die dem Sinn, Strategien im Umgang mit Informationen zu entwickeln, im Wege stehen können. Häufig geht es um die erfolgreiche Bedienung eines Katalogs oder einer Datenbank, nicht jedoch um die weitergehende Verarbeitung und Einordnung des Gefundenen.

IK soll grundsätzliche und universelle Fähigkeiten stärken und so ein Grundgerüst schaffen, welches eine elementare Voraussetzung für das lebenslange Lernen darstellt und die Studierenden befähigt, komplexe Sachverhalte zu erfassen (vgl. Bundy 2005:20). Teil der Schulungen muss daher zunehmend nicht mehr der Weg zu Treffern sein, sondern deren Analyse, Beschaffung und Evaluation. DS mit ihrem einfacheren Einstieg in die Recherche helfen dabei, die Schwerpunkte, bei denen Bibliothekare verstärkt ansetzen müssen, zu verändern.

Worin besteht der Unterschied vom Katalog zum DS? Wodurch ist letzteres für eine Recherche durch ungeschulte Nutzer besser geeignet, wenn es um ein befriedigendes Ergebnis geht? Kataloge arbeiten nach dem Suchparadigma des „Exact Match“, während Discovery Systeme ihre Suche auf „Best Match“ ausrichten (vgl. Steilen 2012:Folien 15-16). Anders als Kataloge, die eine exakte Suchanfrage benötigen, um den genauen Treffer zu finden, finden DS möglichst ähnliche Titel.

Bibliothekskataloge sind bei der Recherche nicht intuitiv zu bedienen und daher sehr schulungsaufwendig. „Bemerkenswert ist der hohe Anteil an detaillierten Erklärungen zu eher ‚mechanischen‘ Dingen, die offenbar nötig sind, um einen Bibliothekskatalog korrekt zu bedienen.“ (Wiesenmüller 2012:94) In vielen IK-Kursen liegt der Schwerpunkt unter anderem auf der Vermittlung des richtigen Umgangs mit Katalogen, weil sie als das „Einstiegssuchinstrument“ zum eigenen Bestand angesehen werden.

Bei der Recherche in Katalogen werden Nutzer, wenn sie mit ihrem Wissen von „einfacheren“ Rechercheinstrumenten her kommen, oft enttäuscht. Das Konzept des „Exact Match“, nach dem Kataloge arbeiten, kennt nur „passt“ oder „passt nicht“. „In der Realität gibt es hingegen stets eine graduelle Abstufung von ‚perfekt‘ bis ‚unbrauchbar‘.“ (Wiesenmüller 2012:95)

Schon bevor die Studierenden recherchieren können, müssen sie eine große Menge an Regeln erlernen, zum Beispiel wie sie ihre Suchanfragen sorgfältig konstruieren. Sie müssen sich bereits im Vorfeld genaue Gedanken darüber machen, mit welchen Begriffen, in welcher Schreibweise (zum Beispiel „organisation“ oder „organization“) und in welcher Form (Plural, Singular, Genitiv, dekliniert et cetera) sie recherchieren müssen. Ausserdem haben sie zu bedenken, welche Dokumente sie im Katalog finden können und welche nicht. In den IK-Schulungen wird daher anhand eines Katalogs in der Regel der präzise Aufbau von Suchanfragen mit Hilfe höherer Mathematik (Boole’sche Operatoren), Trunkierung, die „known-item search“ und die thematische Suche vermittelt. Häufig führen allerdings schon kleinere Schwierigkeiten beim Aufbau der Suchanfrage aufgrund der sehr geringen Fehlertoleranz der Kataloge zu keinem Ergebnis, denn die Treffer müssen exakt die Suchanfrage erfüllen. Die Ergebnisse selbst werden zudem unsortiert, beziehungsweise einfach nach Datum geordnet ausgegeben. Bei Fehlern werden Nutzer allein gelassen.

DS arbeiten hingegen immer dann am besten, wenn man mit eher breiten Suchtermen beginnt und diese dann nachträglich einschränkt. Den Studierenden, denen es im Vorfeld schwerfällt, ihren Informationsbedarf exakt zu bestimmen und eine effiziente Suchanfrage zu gestalten, steht so die Option zur Verfügung, ihre Suchtreffer im Nachhinein über die Facetten anzupassen. Das facettierte Browsing ermöglicht eine schrittweise Einschränkung der Suche und das System übernimmt dabei die mathematisch korrekte Kombination der Suchanfrage. Diese muss also vorher nicht so präzise wie im Katalog formuliert werden und es werden auch dann Treffer angezeigt, wenn diese nicht genau übereinstimmen, sondern so gut wie möglich die Anfrage erfüllen.

Discovery Tools unterstützen zudem eine natürlichsprachigere Recherche und reagieren fehlertoleranter. Bei Rechtschreibfehlern wird ein „Meinten Sie: (…)“ eingeblendet, das für „Google-Nutzer“ inzwischen eine gewohnte Unterstützung bei ihrer Recherche ist. Hinzu kommen weitere Funktionen wie das Autovervollständigen, bei dem schon während der Eingabe in das System die Suchanfrage ausgewertet und anhand von getätigten Suchanfragen anderer Nutzer weitere Suchbegriffe vorgeschlagen werden. Ausserdem werden linguistische Methoden wie das Stemming eingesetzt, bei dem Begriffe auf ihre Grundformen zurückgeführt werden, oder die Zerlegung zusammengesetzter Begriffe (vgl. Wiesenmüller 2012:97). So lassen sich in dieser Suchumgebung, ähnlich wie bei Google, Informationen finden, die nicht vollständig oder unkorrekt zitiert wurden.

Das Problem der bisher stark prozessual ausgerichteten Schulungen ist: „Studenten sollen die Wege hin zum Wissen erlernen, haben sich aber nach Abschluss ihrer ersten Prüfung meist kaum mehr als lose zusammenhängende Teile schnell veraltender Information angeeignet, die eher die Bedürfnisse der Lehrenden als die der Studierenden widerspiegelt. Sie konzentrieren sich mehr auf Antworten, die sich kontinuierlich verändern als auf Fragen, die sich kaum verändern.“ (Bundy 2005:18) Für die Stärkung von IK ist nicht die Bedienung eines Tools wichtig, sondern es geht um das Verstehen des Wesens der Recherche, der Beurteilung von Informationen, ihrer Einordnung in ein rechtliches Konstrukt et cetera.

Durch Discovery Systeme ändert sich vor allem auch der Focus der Suche. „Researchers must now shift their initial focus from deciding which item type to locate, to first identifying major concepts or search topics suitable for a transdisciplinary search tool.“ (Fawley/Krysak 2012:209) Der Recherchierende kann sich mehr auf seine gewünschten Ergebnisse konzentrieren und mit Gefundenem weiterarbeiten, zum Beispiel durch das Einschränken über Facetten, anstatt vorausahnen zu müssen, wie er die besten Treffer erhalten könnte.

Manche Kollegen sehen daher durch DS ein Heilsversprechen wahr werden. Schon in der Föderierten Suche, dem Vorläufer der DS, sahen einige einen Gegenentwurf zu IK-Schulungen (vgl. Cox 2006:254-255). Mit der Einführung eines DS können Bibliotheken ausserdem „das schwer vermittelbare Uralt-Dilemma lösen (...), nämlich dass der Katalog nur selbständige Werke nachweist und man die oftmals viel wichtigeren Aufsätze und Artikel in anderen Verzeichnissen suchen und in einem zweiten Suchschritt auf lokale Verfügbarkeit überprüfen muss (...)“ (Christensen 2011). Studierende haben keine Ahnung davon und sind auch nicht interessiert daran, zum Beispiel die bibliothekarischen Unterscheidungen zwischen Datenbank und E-Journal-Sammlung zu erlernen (vgl. Tallent 2004:71). DS machen es für Bibliothekare möglich, dem Nutzer nicht mehr wiederholt erklären zu müssen, dass der Bibliothekskatalog nur Bücher und Zeitschriftentitel enthält und dass die Artikel aus Zeitschriften nur über Datenbanken gefunden werden können.

Die Nutzer bekommen ein Werkzeug an die Hand, mit dem sie ohne Probleme und Vorwissen, das heisst ohne grosse IK, gute Ergebnisse erhalten. Da gerade Studierende am Anfang ihres Studiums mit einem geringeren IK-Wissen bereits gute Ergebnisse mit Literatursuchmaschinen erhalten und sie mit hochwertigerer Literatur erste Erfahrungen sammeln können, kann ein Schulungsangebot dann angesetzt werden, wenn das Problembewusstsein bei den Studierenden gewachsen ist, zum Beispiel durch eine bereits absolvierte schriftliche Arbeit.

Hinzu kommt, dass DS mit ihrer breiten Abdeckung von Themen und Medientypen die Vielfalt an verfügbaren Informationen gut veranschaulichen (vgl. Fagan 2011:172). Mit der Auffindbarkeit verschiedener Publikationstypen an einer Stelle kann der Schwerpunkt der Schulung einzelner Ressourcen und der dafür zu erlernenden Recherchekniffe kürzer gefasst werden, zumal einige DS gegebenenfalls spezifischere Datenbanken vorschlagen, die auf der thematischen Abdeckung der Mehrzahl der gefundenen Treffer beruhen.

In Schulungen anhand eines Discovery Systems sollte man nicht mehr die einzelnen Informationstypen darstellen, sondern kann deren Unterschiede aufzeigen, zum Beispiel indem der Unterschied zwischen Büchern und Buchbeiträgen, wissenschaftlichen Artikeln und Zeitungsartikeln, Dissertationen und Lehrbüchern herausgearbeitet wird (vgl. Cmor/Li 2012:452). Welche Art von Information ist für eine Arbeit die passende, ist sie relevant, ausreichend oder wird weitere Literatur benötigt? Dies erlaubt den Studierenden eine bessere Einschätzung, ob die gefundenen Quellen für ihren Informationsbedarf geeignet sind. Anstatt eine Suchanleitung zu vermitteln, geht es darum, die Kompetenzen der Studierenden bei der Beurteilung der Treffer hinsichtlich ihres Informationsbedarfs zu stärken, das heisst die Natur des Inhalts rückt mehr in den Fokus.

Und gerade auf Grund der grossen Anzahl an indexierten Inhalten führen DS häufig zu guten, manchmal unerwarteten Ergebnissen und bringen somit einen Serendipity-Effekt (siehe dazu: Björneborn 2008) mit sich, den bisherige Kataloge nicht bieten konnten. Von diesem Effekt und der grossen Zahl indizierter Ressourcen profitieren Studierende und Forschende in Fächern mit einer stark interdisziplinären Ausrichtung besonders.

6. Andere Förderschwerpunkte der Informationskompetenz

DS haben allerdings nicht alle Probleme der Recherche gelöst. Gerade technische Unzulänglichkeiten stören eine weitergehende intuitive Nutzung. Christensen spricht in Bezug auf IK-Schulungen davon, aus den Unzulänglichkeiten der Systeme heraus „teachable moments“ zu schaffen. Dies betrifft zum einen die Quantität der Treffer, die Relevanz-Sortierung und die fehlende Integration der Normdaten (vgl. Christensen 2013:Folie 10). „Sie (Discovery Systeme, Anm. d. Verf.) machen IK-Veranstaltungen nicht überflüssig, denn die Komplexität der Recherche wird nur initial erleichtert.“ (Christensen 2013: Folie 15) Dennoch entsteht eine Entlastung für IK-Schulungen durch DS an verschiedenen Punkten. Kohl-Frey sieht eine zweifellose Vereinfachung des Entdeckens relevanter Literatur auf Einsteigerniveau (vgl. Kohl-Frey 2012:308).

Im Gegensatz zu bisherigen IK-Schulungen, bei denen es darum ging, etwas zu suchen, muss bei den DS der Umgang mit sehr grossen Treffermengen geübt werden. Zu behandelnde Fragen betreffen die Relevanz der angezeigten Daten, ihre Einschränkungsmöglichkeiten und die Schaffung eines Bewusstseins, dass andere Ressourcen bessere und gegebenenfalls effektivere Möglichkeiten bieten, gezielt zu recherchieren.

Die grosse Anzahl der zusammengeführten Quellen verursacht eine entsprechend riesige Treffermenge. Diese Informationsflut selbst wird von den Studierenden (vgl. Sühl-Strohmenger 2011:12, 17 Abb. 4 u. Abb. 5) als eher unproblematisch angesehen, zumal es ihr Ziel ist, gleich zu Beginn der Recherche ein oder zwei Dokumente zu finden, die als „gut genug“ für die Befriedigung ihres Informationsbedürfnisses empfunden werden (vgl. Lewandowski 2012:102).

Eine grosse Trefferzahl führt noch zu einem anderen Problem, nämlich dass die bei Google oder Amazon Recherchierenden glauben, dort schon die gesamte Breite des Webs beziehungsweise alle gedruckten Bücher gefunden zu haben, und wenn sie das nicht glauben, dann ist ihnen der Aufwand, auch noch an anderer Stelle zu suchen, einfach zu gross (vgl. Dempsey 2006). Dieser Eindruck der Vollständigkeit wird auch durch DS erweckt. Daher ist es unerfahreneren Recherchierenden nur schwer zu vermitteln, dass es weitere relevante Ressourcen gibt, besonders dann, wenn für deren Nutzung Regeln erlernt werden müssen. Dass sich diese Mühe lohnt und die unbequemere Lösung zu schnelleren und besseren Treffern führen kann, ist für sie dabei nicht von Interesse.

Die Notwendigkeit, eine „zweite Meinung“ einzuholen, sollte Bestandteil der Schulungen werden, da einmal ganz abgesehen von den verschiedenen Suchräumen und ihren zugrunde liegenden Quellen gerade das Relevanzranking sich in den einzelnen Suchinstrumenten (zum Beispiel Suchmaschine, Discovery System, Datenbank) erheblich unterscheidet und so verschiedene Dokumente als besonders relevant oben gelistet werden. Selbst im besten aller Fälle, dass alle Medien der Bibliothek in diesem DS nachgewiesen und darüber zugänglich gemacht werden, passt das allgemeingültige Ranking bei speziellen Suchanfragen in der Regel nicht (vgl. Kohl-Frey 2012:308).

Besonders unzureichend ist die Unterstützung von DS, wenn es um anderssprachige Literatur geht. Es gibt noch keine automatische Erweiterung der Suchanfrage durch das Hinzufügen zum Beispiel von Synonymen, fremdsprachigen Entsprechungen, Ober- und Unterbegriffen, da hier entsprechende Konkordanzen zu vorhandenen bibliothekarischen Werkzeugen, zum Beispiel die Gemeinsame Normdatei (GND), Fachthesauri, Klassifikationen fehlen (vgl. Wiesenmüller 2012:97). Spezialisierte Datenbanken bieten oft normierte Unterstützungsmöglichkeiten an, zum Beispiel Thesauri und Schlagwörter, die eine effizientere Einschränkung der Suchanfrage ermöglichen.

Das Lehren des perfekten Rechercheaufbaus und der Konstruktion der idealen Suchanfrage ist nicht mehr in aller Tiefe notwendig, da DS Recherchierende durch Wortvorschläge, nachträgliche und kontextsensitive Facettierungen, Rankingverfahren, Zitierhilfen und so weiter gut unterstützen. Rein funktionale Elemente können durch die DS auch in Zusammenarbeit mit anderen Programmen, zum Beispiel bei der Literaturverwaltung, vereinfacht werden. Hier ist es nicht mehr notwendig, zu erklären, wie man Punkt für Punkt korrekt zitiert. Die mechanischen Vorgänge übernehmen Funktionen des DS oder eines anderen Recherchewerkzeugs in Verbindung mit dem Literaturverwaltungsprogramm. Wichtiger ist zum Beispiel das Aufzeigen von Problemlösungsstrategien, wenn beispielsweise zu viel oder zu wenig gefunden wurde, und Entscheidungshilfen, wenn es darum geht, ob die gefundene Literatur relevant ist oder nicht, beziehungsweise die Erklärung, welche informationsethischen Konzepte hinter dem Zitieren stehen (vgl. Cmor/Li 2012:455-456). Die Anteile der Schulungen, in denen es um den Weg zur Information und ihre mechanische Bearbeitung geht, können verringert, die Schwerpunkte zur Informationsanalyse, -evaluation und -weiterverarbeitung hingegen ausgebaut werden.

7. Fazit

Discovery Systeme beeinflussen zwei Dinge in der Schulung von Informationskompetenz. Sie verschieben den Fokus vom Suchen auf das Gefundene, das heisst die Literatur, die nun stärker in den Mittelpunkt der IK-Schulungen rückt, bestenfalls kombiniert mit Problemlösungsstrategien. Bisherige IK-Schulungen zeichnet in vielen Fällen eine Orientierung auf das Suchmittel und seine Funktionen aus, die dem Sinn, Strategien im Umgang mit Informationen zu entwickeln, im Wege stehen können. Oft ist eine Konzentration auf die Bedienung eines Katalogs oder einer Datenbank zu sehen, nicht jedoch auf die weitergehende Verarbeitung des Gefunden. Dieser Perspektivwechsel weg vom Informationsprozess hin zu einem eher ganzheitlichen Ansatz einer Informationsumwelt (vgl. Müller 2012) hilft der von Bundy (vgl. 2005:20) aufgestellten Forderung gerecht zu werden: IK soll grundsätzliche und universelle Fähigkeiten stärken und so eine Basis schaffen, welche eine grundlegende Voraussetzung für das lebenslange Lernen darstellt und die Studierenden befähigt, komplexe Sachverhalte erfassen zu können.

DS, die eine Verbindung zwischen der einfachen Nutzbarkeit einer Suchmaschine und den durch die Bibliothek bereitgestellten Materialien herstellen, können auch als „Missing Link“ gesehen werden. Sie können den Übergang von bereits Bekanntem, wie einer Suchmaschine und Internetquellen, hin zu etwas Neuem, zum Beispiel Datenbanken mit qualitätsgeprüften Materialien, darstellen. Durch einen scheinbar einfacheren Sucheinstieg, eine intuitivere Benutzbarkeit, Suchmaschinentechnologie und automatisierte Rechercheunterstützung durch Ranking-Verfahren, Stemming, Autovervollständigung und die Akzeptanz natürlichsprachiger Suchanfragen, werden anfängliche Recherchehürden minimiert.

Studierende erhalten eine initiale Anlaufstelle für die schwierige thematische Suche, wo Sie mit dem Recherchevorwissen, das sie von Google mitbringen, erfolgreich hochwertigere Texte finden. Sie werden bei der Verwendung von DS als gemeinsame Grundlage in den IK-Schulungen in ihrer eigenen Informationskompetenz positiv bestärkt, da sie mit vorhandenem Anwendungswissen weiterarbeiten können.

Dass anfänglich bessere Ergebnisse gefunden werden, liegt jedoch nicht an einer besseren Informationskompetenz, sondern an einer besseren Eignung des Suchwerkzeuges bezüglich der mentalen Suchmodelle der Studierenden. Von einer Verbesserung der Fähigkeiten der IK per se kann also nicht gesprochen werden. Es werden jedoch Freiräume für andere Aspekte geschaffen, die bis jetzt nicht unbedingt zu den Schwerpunktthemen in den Schulungen gehörten, etwa das Beurteilen von Literatur, das Zitieren und so weiter. Die Zeit zur Erklärung von Hintergründen steigt und so kann eine Basis geschaffen werden, die den Studierenden eine bessere Übertragungsleistung auf andere Ressourcen ermöglicht.

Auf der anderen Seite müssen sich Bibliothekare stärker mit den Rechercheansätzen der Studierenden auseinander setzen. Das sollte bestenfalls zu einer Neuorientierung bei der Ausrichtung ihrer IK-Angebote führen, beispielsweise durch eine bedarfsgerechtere zeitlichere Durchführung der Schulungen während des Studiums. Für Bibliothekare bedeutet der Einsatz von DS auch, die Chance zu ergreifen, sich aus der sicheren Umgebung standardisierter Schulungskonzepte zu lösen, die auf den Informationskompetenzstandards beruhen. Wird Informationskompetenz neu definiert als die Fähigkeit, die eigene Informationsumwelt nach dem persönlichen Bedarf unter effizientem Ressourceneinsatz im Einklang mit informationsethischen Fragen zu konfigurieren, so eröffnen sich für die Vermittlung von IK und der bibliothekarischen Services rund um dieses Thema neue und zeitgemässe Gestaltungsmöglichkeiten.

[1] Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird die männliche Schreibweise verwendet. Weibliche Personen sind gleichermassen gemeint. Die in diesem Artikel geäusserten Meinungen sind ausschliesslich die persönliche Sicht der Verfasserin.

[2] Vgl. http://www.informationskompetenz.de [Stand: 16.09.2013].

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Dörte Böhner, M.A. arbeitete bis September 2013 als Fachreferentin für Geschichte, Politikwissenschaft, Theologie, Archäologie und Klassische Philologie an der Universitätsbibliothek der Helmut-Schmidt-Universität, Hostenhofweg 85, D-22043 Hamburg. Sie betreibt das Blog Bibliothekarisch.de. E-Mail: doerte.boehner@bibliothekarisch.de